20 Nov 2011

Schnelllesen (Speed Reading) – Genau hingesehen

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Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Text im Gegensatz zu anderen Personen in zehnfacher erfassen. Eine der Methoden, welche zumindest die erhöhen, nennt sich “Speed Reading”. steht dabei für die Fähigkeit, überdurchschnittlich schnell zu lesen und dennoch den Inhalt des Textes zu verstehen. Es gibt mehrere, allerdings sehr ähnliche Techniken, mit denen man das lernen kann.

Ein durchschnittlicher, geübter Leser kann etwa 200 bis 300 Wörter pro Minute () erfassen, sofern der zu lesende Text nicht übermäßig kompliziert ist. Die schnellsten Leser dagegen bringen es, je nach Technik, auf mehr als 1000 Wörter pro Minute. Dies sind bereits beeindruckende Zahlen, wenn man überlegt wieviele Wörter sich normalerweise auf einer Buchseite befinden. Ganz davon abgesehen, dass man auch noch umblättern muss.

Was geht, was geht nicht?

Für das Lesen mit weit höheren Geschwindigkeiten ist jahrelange Übung notwendig. Versprechungen von 5000 Wörtern pro Minute und mehr, wie sie von Seminaranbietern teilweise gemacht werden, sind unseriös und wurden bisher nicht wissenschaftlich belegt. Überprüfte Rekorde liegen im Bereich von 3000 bis 4000 Wörtern pro Minute (vgl. dazu Wikipedia “Schnelllesen”).

Daher erscheint es mehr als fraglich, wenn Anbieter mit angeblichen Lesegeschwindigkeiten prahlen, welche weder wissenschaftlich nachgewiesen sind, noch plausibel erscheinen.

Zitat:
“… Eine “selbstunterrichtende” Mutter brachte ihrer 11-jährigen Tochter bei, komfortabel mit 12.000 Wörter pro Minute zu lesen (die meisten Erwachsenen lesen 250 bis 300 Wörter pro Minute). Ein Englischlehrer an der “high school” brachte 2/3 seiner Klasse dazu durchschnittlich 4000 Wörter/Minute zu lesen – innerhalb von vier Wochen. Andere die dieses Konzept auf “Herz und Nieren” geprüft haben, kamen zu ähnlichen Ergebnissen. …” [Quelle: http://www.speedreading4kids.com/SchnellLesen.htm, Stand 28.01.2011, 08:20 Uhr]

Dagegen liegt der Weltrekord von Sean Adam bei 3850 Wörter pro Minute (vgl. dazu Wikipedia “Schnelllesen – Weltrekorde”). Wenn man davon ausgeht, dass eine normale Buchseite zwischen 250 und 350 Wörtern enthält, so sind 12.000 Wörter pro Minute ein interessantes Rechenbeispiel.

Gehen wir von 350 Wörtern pro Seite aus. Die Rechnung würde also ergeben:

\frac{12000}{350} = 34,29...

Dies würde also bedeuten, dass Sie mindestens 34 Seiten pro Minute lesen müssten. Jetzt nehmen Sie sich ein Buch und blättern Sie einmal 34 Seiten in einer Minute um. Als Ergebnis: Sie würden also 1,76 Sekunden pro Seite Zeit haben, um den Inhalt einer Seite zu lesen und (!) zu verstehen.

Wie in dem Zitat gesagt wird: “Andere die dieses Konzept auf “Herz und Nieren” geprüft haben, kamen zu ähnlichen Ergebnissen”. Wer sind die “anderen“? Wie wurde denn “geprüft“, welche wissenschaftlichen Methoden wurden eingesetzt? Warum “ähnliche” Ergebnisse und wie hoch ist der Unterschied gewesen?

Dazu ein weiteres Zitat (vgl. dazu Wikipedia “Schnelllesen”)

… Einfache Tests für die Lesegeschwindigkeit wiesen zudem nach, dass jede Person über eine individuelle Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit verfügt, die mit dem Intelligenzniveau zusammenhängt. So kann der durchschnittliche deutsche Erwachsene (IQ 100) bei maximaler Anstrengung in 6,7 Sekunden nur 20 stochastisch unabhängige Buchstaben erkennen. Das entspricht einer von 15 bit/s. Ein Hochbegabter mit dem IQ 130 erbringt die gleiche in etwa 4,5 Sekunden (~ 23 bit/s). Da Lesen jedoch nicht die stochastisch unabhängiger Buchstaben betrifft, sondern sich aus dem Thema des Textes, den vorhergehenden Sätzen, den vorangehenden Wörtern des Satzes und der Struktur des Wortes eine starke Einschränkung möglicher zu erfassender Wörter ergibt, liegt der eines Textes weit unterhalb der hier angegebenen Werte. …

Es bleibt dem Leser vorbehalten, sich den IQ des Mädchens vorzustellen, welches angeblich 12.000 Wörter pro Minute lesen kann. Diese Mädchen müsste also über 50 bit/s schaffen, welches ungefähr 2 \frac{1}{2} mal soviel ist, wie ein Hochbegabter mit einem IQ von 130.

Nachhilfe in Enger, Herford und Bielefeld.

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