10 Feb 2012

Erleben (engl. fließen, rinnen, strömen) bezeichnet das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit, auf Deutsch in etwa Schaffens- oder Tätigkeitsrausch, Funktionslust. Mihaly Csikszentmihalyi hatte die -Theorie im Hinblick auf Risikosportarten entwickelt. Heute wird sie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen [1]. Als “” gilt in der Psychologie eine Erfahrung, bei der das Subjekt völlig in einer Tätigkeit aufgeht und dabei ein besonderes Glücksgefühl des Gelingens erlebt [2].

Das Streben nach dieser Erfahrung bewegt Menschen, strapaziöse und mit viel Einsatz verbundene Tätigkeiten um ihrer selbst willen auszuführen [2].

Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb so:

Warum lieben einige Menschen ihre Arbeit, verstehen sich großartig mit ihrer Familie und genießen die Stunden, die sie in einsamer Meditation verbringen, während andere ihren Beruf scheußlich finden, sich zu Hause langweilen und Angst vorm Alleinsein haben? Wie kann man alltägliche Routinearbeit so verwandeln, dass sie genauso aufregend wird wie ein rasanter Abfahrtslauf, so beglückend wie das Singen des Händelschen Halleluja, so bedeutungsvoll wie die Teilnahme an einem geheiligten Ritual? Die Studien, die ich zusammen mit anderen Wissenschaftlern durchgeführt habe, legten nahe, daß solche Veränderungen möglich waren. [3]

Welches sind die Vorraussetzungen für Flow Erleben bei Kindern?

Für das Zustandekommen von Flow Erfahrungen bei Kindern gibt es zwei unterschiedliche Aspekte: zum einen eher äußere Faktoren und deren psychisches Erleben, zum anderen die innere Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf Flow Erleben einzulassen. Bei Kindern ist dies in der Regel noch sehr einfach zu erreichen – ganz im Gegensatz zu Erwachsenen. Kinder wissen oft was sie wollen und haben klare Zielsetzungen; auch wenn dies Erwachsenen oft nicht so vorkommt. Erwachsene, welche oft durch Hektik getrieben werden, können sich nur schwer auf Flow einlassen. Kindern sollte diese Hektik an sich nicht bekannt sein. Daher habe Kinder, die intensives Management ihrer Zeit erleben, wesentliche Probleme sich auf Flow Erfahrungen einzulassen.

Flow Erleben setzen ebenso kontinuierliche und unmittelbare Rückmeldungen über den Erfolg voraus. Wenn man sich die derzeitige Schulform ansieht, so erklärt dies, warum Kinder so schwer in einen Flow-Zustand bei schulischen Themen gelangen können. Die Klassenarbeit, welche erst nach 3 Wochen korrigiert zurückgegeben wird, ist keine unmittelbare Rückmeldung.

Flow Erleben können ebenso nur dann auftreten, wenn wir die an uns gestellten Herausforderungen mit Hilfe unserer Fähigkeiten lösen können. Nicht alle Fächer sind einem Schüler offensichtlich und es ist nicht immer klar, das jeder Schüler die Fähigkeiten für jedes Fach mitbringt. Daher ist es wesentlich, dass Schüler die vorhandenen Fähigkeiten erkennen.

Weiterhin muss jedes Kind den “” selber entdecken. Dieser eröffnet sich meist dann, wenn wir eine Herausforderung wählen, die unsere gegenwärtigen Grenzen leicht übersteigt und dann mit entsprechend hohem Einsatz unserer Fähigkeiten doch bewältigt werden kann.

Ein besonderer Vorteil ist, das Hohe Konzentration dazu führt, daß die Aufmerksamkeit auf ein begrenztes Feld von Stimuli gerichtet ist. Andere Dinge, Probleme und Sorgen des Alltags werden ausgeblendet. Dies ist ein optimaler Zustand, wenn Kinder sich mit Hausaufgaben beschäftigen müssen und resultiert in eine hohe Konzentration.
Werden diese Vorraussetzungen erfüllt, dann kann man durchaus sehen, dass sich Kinder im Einklang mit sich und der Welt befinden.

Flow Erleben ist eine Methode, welche ich beim Training und bei einsetze.

Referenzen

[1] Flow (Psychologie). Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)
[2] Das Flow-Erleben als Schlüssel für Lernen, Wachstum und Motivation. Aus: Evolutionäres Management, Herausgegeben von Sonja Radatz, Verlag für Systemisches Management, Wien 2004, S. 248 ff. http://www.emergence.de/assets/pdfs/Flow-ErlebenEM.pdf
[3] Csikszentmihalyi, Mihaly: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Stuttgart, 1995

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